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21.10.2015, 15:45 Uhr | jjm
Hat das Gymnasium noch eine Zukunft?
CDU-Podiumsdiskussion zur Bildungspolitik
Hochkarätig war das Podium im Gmünder Prediger um Moderator Hermann Reichert, ehemals Abteilungsleiter am Kultus-Ministerium Baden-Württemberg, besetzt. So konnte MdL und Ex-Staatssekretär Georg Wacker und der Vorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württembergs, des Vereinigung der Gymnasiallehrer, Bernd Saur gewonnen werden. Aus der Praxis steuerte zudem der Schulleiter des Rosenstein-Gymnasiums Heubach, Johannes Josef Miller, seine Erfahrungen bei.

Die Gretchenfrage des Abends war gleichsam, ob das Gymnasium jetziger Prägung überhaupt noch eine Zukunft habe. Einmütig bekannten sich die Gesprächsteilnehmer zur Notwendigkeit einer soliden gymnasialen Ausbildung, wobei sie gleichzeitig der Bildungspolitik der derzeitigen grün-roten Landesregierung vorwarfen, eben dies verhindern zu wollen. Das Ziel sei vielmehr vor allem bei den Grünen die Einheitsschule. Unisono war man der Ansicht, dass ein starkes Gymnasium und eine ebenso starke Realschule für die Zukunft des Landes unentbehrlich seien.

Ein großes Handicap sei die weggefallene verpflichtende Grundschulempfehlung, wie Bernd Saur betonte. So zeigen die neuesten Zahlen eindeutig, dass damit ein Mehr an Sitzenbleibern und in der Unterstufe wesentlich mehr schlechtere Schüler gegeben seien. „Wo bleibt da das Wohl des Kinds!“ Vor lauter Akademisierungswahn und Einheitsschüler bleibe zudem eine wirkliche Begabtenförderung auf der Strecke. Miller bestätigte diese Probleme und bemängelte, dass gerade im Ergänzungsbereich Stunden gestrichen worden seien, die zur Förderung begabter Kinder unentbehrlich wären, diese Stunden würden aber auch für Stützkurse fehlen. Gleichwohl signalisierte Georg Wacker, dass eine verbindliche Grundschulempfehlung wieder schwerlich eingeführt werden könne. Die CDU werde deshalb zum einen ein verbindliches Beratungskonzept einführen und andererseits müsse die Empfehlung der aufnehmenden Schule vorgelegt werden. Auch die derzeit existierenden Gemeinschaftsschulen wolle man nicht abschaffen. Bei einem Wahlsieg der CDU werde man künftig auf eine gerechte Balance der Ressourcen zwischen den vorhandenen Schularten achten. In der Frage nach einer Wiedereinführung von G9 gab es kontroverse Ansichten. So forderte Bernd Sauer eine generelle Einführung. Wacker betonte hierbei die Wahlfreiheit der Eltern, die CDU wolle beide Möglichkeiten anbieten, wobei G9 nicht ein „reines Dehnungsmodell“ wäre, sondern mittels Vertiefungskursen, z.B. in Mathematik, gezielt auf Universität und Ausbildung vorbereiten würde. Schulleiter Miller möchte dagegen am G8 festhalten, damit seien klare Strukturen für den organisatorischen Ablauf einer Schule gegeben und schließlich sei in Baden-Württemberg aufgrund der erfolgreichen beruflichen Gymnasien G9 explizit gegeben. Allenthalben wurde betont, dass man auch künftig starke Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Werkrealschule benötige, um somit auch das Gymnasium zu stärken. Eine gute Förderung der Kinder könne mit einer solchen Differenzierung viel besser gelingen.

Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Scheffold und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thomas Eble dankten den Akteuren und den mitdiskutierenden Zuhören für den informativen Meinungsaustausch.

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