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01.10.2015, 09:27 Uhr | © Gmünder Tagespost 30.09.2015
CDU-Pläne zur Bildungspolitik
Schullandschaft ist Thema der Podiumsdiskussion des Stadtverbandes im Prediger
Ein Parteitag zum Thema Bildung steht zwar noch aus. Im November will die CDU sich in diesem Bereich endgültig für die Landtagswahl positionieren. Trotzdem wagt Georg Wacker als bildungspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion klare Worte, die manches erstaunte „Warum“ auslösen.
Die Zukunft der Bildung im Visier (v.l.): Hermann Reichert, Dr. Stefan Scheffold, Bernd Saur, Georg Wacker, Johannes Josef Miller und Thomas Eble. (Foto: hie)
Schwäbisch Gmünd. Auch, wenn Herausforderungen wie die Unterbringung der Flüchtlinge derzeit im Vordergrund stehen, dass die Bildungspolitik eine zentrale Rolle im Landtagswahlkampf spielen wird, ist unbestritten. Stadtverbandsvorsitzender Thomas Eble und Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Scheffold unterstreichen das. Somit haben die Gmünder Christdemokraten mit der Podiumsdiskussion am Mittwoch im Prediger ihren Wahlkampf begonnen. Moderator Hermann Reichert formuliert die Fragen, auf die besonders Georg Wacker die richtungsweisenden Antworten gibt. Bernd Saur, der Vorsitzende des Philologenverbandes Baden-Würtemberg, und Johannes-Josef Miller als Schulleiter des Rosensteingymnasiums steuern ihre praktische Erfahrung bei.

 Wird die CDU im Fall eines Wahlsiegs die verbindliche Grundschulempfehlung wieder einführen? Zum Erstaunen des Publikums beantwortet der bildungspolitische Sprecher diese Frage mit einem klaren Nein. Obwohl beide Praktiker – unterstützt von der Statistik – zuvor die negativen Folgen der Abschaffung beschrieben haben. Warum? „Die Eltern werden nicht verstehen, dass ihnen ihr alleiniges Entscheidungsrecht wieder genommen wird“, warnt Georg Wacker. Die CDU werde deshalb ein verbindliches Beratungskonzept einführen und sicherstellen, dass den aufnehmenden Schulen die Grundschulempfehlung vorgelegt werden muss. Nur dann sei eine brauchbare Eingangsdiagnose möglich. Bei Bedarf könne zudem bereits im Vorfeld eine passgenaue Förderung der Schüler organisiert werden. Im Interesse der Kinder, denen damit die Frusterfahrung erspart bleibe.

 Was geschieht im Fall eines CDU-Wahlsiegs mit der Gemeinschaftsschule? Auch für diese Schulform hatten die Praktiker „niederschmetternde Erfahrungen“ präsentiert. Gutachten belegten, dass schwächere Schüler noch weiter ins Hintertreffen gerieten und vor allem die ohnehin Guten von der intensiven Freiarbeit in dieser Schulform profitierten. Auch hier lasse sich die Schullandschaft nicht mehr auf den Stand von 2011 zurückdrehen, formuliert Georg Wacker die Position seiner Partei. Deshalb werde keiner der zum Wahltag vermutlich 330 Gemeinschaftsschul-Standorte infrage gestellt. „Schließlich geht es zuallererst um die Kinder.“ Allerdings sollen keine neuen Gemeinschaftsschulen mehr gebildet werden, und die Bestehenden sollen mehr Freiheit zur heterogenen Förderung in Gruppen bekommen. Und bei der Ausstattung mit Lehrkräften und Stunden werde man Wert auf eine gerechte Balance zwischen allen Schularten legen. „Wir setzen auf gute Realschulen und werden diese weiter stärken“, betont Georg Wacker – wofür es Applaus gibt.

 Und schließlich geht es auch um die Zukunft der Gymnasien. Von einer gymnasialen Oberstufe in den Gemeinschaftsschulen halten die Praktiker nichts – und Georg Wacker auch nicht. „Das sind weitere Parallelstrukturen, die niemand braucht“, findet er. Parallel weiterlaufen lassen will man dagegen G8 und G9. „Die Eltern sollen eine echte Wahlfreiheit haben“, wobei G9 wieder viel mehr werden soll als ein „reines Dehnungsmodell“. Der Bildungsexperte spricht von Vertiefungsmöglichkeiten zum Beispiel in den Sprachen und von Eliteförderung. Ohnehin beobachtet er eine Rückentwicklung, die Kindern und Jugendlichen die Zeit gebe, persönlich zu reifen.

 Bleibt das Zentralabitur? Diese drängende Frage beantwortet Georg Wacker mit einem klaren Ja. Auch gegen einen sinnvollen Prozess der Abstimmung von Standards unter den Bundesländern hat er nichts einzuwenden – „so lange die Qualität des deutschen Abiturs nicht nach unten nivelliert wird.“

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